Im Gespräch mit Tancred

In deinen Liedern geht es sehr oft, wenn nicht sogar immer, um Politik. Wie willst du mit deiner Kunst gesellschaftliche Veränderung anstoßen?

Ich will vor allem Menschen Mut machen, die sich einsetzen für Solidarität, für Gerechtigkeit und
gegen den Rechtsruck hier im Land. Ich weiß, dass man sich oft alleine und verloren dabei fühlen
kann und vor allem auch Angst haben kann, gerade hier im Osten. Und genau diese Menschen will ich erreichen und stärken, weil Musik ja auch sehr oft verbindend ist und Mut gibt. Ich bin kein Politiker, der aktiv irgendwas verändert, ich bin am Ende jemand, der seine Gefühle, seine Gedanken und Ängste zu Text bringt und hofft, damit Leute zu erreichen und zu stärken.

Gibt es ein Thema, über das du (noch) keinen Song schreiben konntest, obwohl es dich beschäftigt?

Ja, tatsächlich, ich wollte schon immer mal einen Song über das Thema Süchte schreiben, aber auch darüber, dass ich richtig, richtig schlecht darin bin, den Absprung zu schaffen. Wer weiß, vielleicht kommen darüber bald Songs.

Baust du deine Beats selber oder hast du dafür einen Produzenten?

Ich baue meine Beats selber. Ich habe 2020 angefangen zu produzieren und das war die beste
Entscheidung meiner Musikkarriere. Es ist einfach so viel besser, wenn man Beats hat, die auf einen selber angepasst sind und die die eigene Persönlichkeit tragen. Auch Mix und Master habe ich sehr lange Zeit alleine gemacht. Ich habe erst bei dieser EP mit Wilhelm Klimt und Timon Korn zumindest ein klein wenig professionelle Unterstützung gehabt.

Du hast in unter zwei Jahren 2 Alben, ab Freitag 2 EPs und sechs Singles rausgebracht. Wie viele unveröffentlichte Tracks gibt es?

Tatsächlich keine. Ich habe ein paar Skizzen rumliegen, aber ich bin mittlerweile, was meine Musik angeht, sehr perfektionistisch geworden. Das heißt, ich mache mir vorher genaustens Gedanken, was für ein Song ich veröffentlichen will, welches Thema er haben soll und wie der Beat klingen soll, und dann arbeite ich los. Dabei entstehen schon so 6–7 Ideen, vor allem was Beats angeht, aber ich sage immer, der Song muss mir zu 100 % gefallen, und wenn es nur 99 % sind, dann lege ich den Beat weg und nutze ihn auch nicht mehr.

Welche Artists (auch außerhalb von Rap) haben dich inspiriert?

Ich habe als Jugendlicher fast ausschließlich Marteria und Marsimoto gehört, das heißt, die hört man wahrscheinlich am meisten raus bei meiner Musik. Mittlerweile habe ich da mehr Einflüsse. Ich lasse mich sehr viel von WTG, Audio88 und Yassin, aber auch K.I.Z oder Pöbel MC inspirieren. Auch außerhalb von dem klassischen Hip-Hop finde ich Inspiration, Nina Chuba und Dissy sind da ganz vorne dabei, doch auch Techno und Filmmusik prägen mich da immer wieder.

Wenn du deine Musik jemandem erklären müsstest, der noch nie Rap gehört hat – was würdest du sagen?

Schwer zu sagen. Auf Beats mit Herz, Detail, Emotionen, viel Energie und noch mehr Bass liegen gut geflowte Texte über die Gesellschaftspolitik und die Probleme eines jungen Erwachsenen,
umschrieben mit mal witzigen, mal sehr lyrischen und mal direkt ins Gesicht herausgesagten Zeilen.

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geschrieben von pierre ed, am 26. Februar 2026
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