Was kostet die Nacht?

FlexibleHeart
In den letzten Monaten kam das Thema der unterfinanzierten Kultur immer wieder zur Sprache. Um dies besser verstehen zu können, ist das hier der Versuch, die Ausgaben und Einnahmen eines Clubs mal aufzulisten und zu erklären.
 
Die hier aufgeführten Kosten treffen auf fast alle Veranstaltungsformen zu. Es ist also egal, ob Party, Konzert, Diskussion, Theater, Ausstellung, Performance oder anderes. In allen dieser Fälle kommen die meisten der aufgeführten Kosten vor.

Ausgaben für eine Veranstaltung:
Miete (Location)
Nebenkosten (Wasser, Heizung, etc.)
Strom
Internetanschluss
Versicherungen
Technikleasing/-finanzierung
Investitionspauschale (Schaffung von Rücklagen für Reparaturen, Neuanschaffungen, etc.)
Verbrauchsmaterialien (Reinigungsmittel, Klopapier, Büromaterialien, etc.)
GEMA
Steuern (Umsatzsteuer, Ausländersteuer, etc.)
KSK
Personal
- Booker*innen
- Grafiker*in
- Presse / Social Media 
- Chef*in vom Dienst / Abendmanager*in
- Auf- & Abbauhelfer*innen (Dekoration, Stagehands, etc.)
- Artistcare
- Techniker*innen (Ton / Licht)
- Einlass
- Security
- Awareness
- Bar
- Reinigung
Unternehmer*inlohn
Technikmiete
Werbungskosten (Druck, Onlinewerbung, etc.)
Gagen für Artists
Booking Fee
Lizenzkosten (z.B. bei Filmen)
Reisekosten für Artists
Übernachtungskosten für Artists
Artistdinner
Artistgetränke
Personalgetränke
Kosten für Dekoration
Kosten für Ticketvorverkauf
Honorare Foto- und/oder Videodokumentation
Buchhalter*in
Steuerberater*in
 
Einnahmen für eine Veranstaltung:
Eintritt
Bareinnahmen
Förderung (kommt in der Subkultur sehr, sehr selten vor)
Sponsoring (kommt in der Subkultur noch seltener vor als Förderung)
 
Damit das greifbarer wird, gibt es jetzt zwei Beispiele. Dabei wird einmal eine Party und einmal ein Konzert durchgerechnet: 

Was_kostet_die_Nacht_Bsp.png 820.6 KB

Erläuterungen:
 
Das Beispiel ist anhand eines Clubs mit einer Kapazität von 250 Gästen gerechnet.
 
Die Party geht von 23 Uhr bis 10 Uhr. Es gibt fünf DJs (1 x Headliner*in + 4 x Locals). Mit Durchlauf kommen wir am Ende auf 400 Gäste. Wir sind mit 250 Gästen ausverkauft.
 
Das Konzert geht von 20 Uhr bis 22:30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr, geschlossen wird 23 Uhr. Es spielen ein*e Solokünstler*in und eine 4-köpfige Band.
 
In beiden Fällen wurde für die bessere Vergleichbarkeit derselbe Eintritt angesetzt.
 
Bei dem Konzert bleibt am Ende eindeutig weniger übrig als bei der Party, weshalb in der Realität der Eintritt eher bei 12€ liegen würde. Ein weiterer Unterschied zwischen der Theorie und der Praxis ist, dass nicht immer alles ausverkauft ist, sondern im Regelfall liegt die Auslastung eher bei 70%.
 
Was gibt es noch zu bedenken?
 
Im Regelfall ist mindestens die Hälfte des gesamten Clubs kein Veranstaltungsraum, sondern Bar, Toiletten, Lager, Büro, Backstage, Bühne und ggf. Außenflächen. Das sorgt für mehr Kosten bei Miete und Unterhalt.
 
Die Personaldecke ist auch nicht mal ansatzweise so hoch, wie man das anhand des Beispiels vermuten könnte. Nicht selten macht das Booking auch noch die Presse und Social Media Arbeit. Der CVD macht auch gern mal Licht oder Ton und die Artistcare. Auch Techniker*innen sind in Artistcare und vor allem Auf- & Abbau involviert.
 
Kommen wir nun also zum Kernproblem der Angelegenheit. Als Clubbetreiber*in und Angestellte*r hat immer mehrere Aufgaben gleichzeitig und arbeitet grundsätzlich viel mehr als das, was schlecht bezahlt wird. Speziell als Betreiber*in ist die finanzielle Situation immer angespannt, was dafür sorgt, dass ein sehr großer Teil der Clubbetreiber*innen und der Angestellten noch anderen Jobs haben oder der Club als Kneipe, Restaurant oder Mietlocation für Privat- der Firmenfeiern genutzt wird.
 
Das Ganze überträgt sich auch auf die Artists; auch hier muss jeder gespart werden, was vor allem bei Localartist für eine meist sehr schlechte Bezahlung sorgt.

So geht es auch den anderen Branchen, die dazu gehören. Egal ob Technicker*innen, Grafiker*innen, Bar-, Einlass- und Securitypersonal. Alle hätten es verdient, mehr zu verdienen, doch das ist im Regelfall nicht möglich.
geschrieben von pierre ed, am 29. Oktober 2020
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