21:00
31. Okt
( Diskussion / Vortrag )
Death to all states, but free palestine?
  • Luise Henckel
Zum Verhältnis von Antisemitismus, Antizionismus und materialistischer Staatskritik 

Die antizionistische Mobilisierung der Gegenwart richtet sich gegen den jüdischen Staat als „unechte“, „koloniale“, „imperiale“ eben „zionistische Entität“. Dabei spielt allerdings eine allgemeine Skepsis oder Feindschaft gegenüber (durch Gewalt und Repression abgesicherte) Staatlichkeit als solche eine höchst geringe Rolle: Der Einsatz für die palästinensische, explizit nationale Befreiung und die politische Verteidigung der Régime autoritär geführter Nationalstaaten wie Iran von Seite vieler Aktivist:innen zeugen davon, dass es sich bei dem Hass auf den jüdischen Staat eben um keine „Staatskritik“, sondern eher um eine Zwangsvorstellung handelt, bei der Israel für ein besonderes, einzigartiges Verhängnis steht.

Angesichts dieser Obsession hat es sich durchgesetzt bei der Bewertung von Aussagen zum Jüdischen Staat, auf sogenannte „doppelte Standards“ zu achten, um herauszufinden, ob es sich bei der Aussage um Antisemitismus oder ‚legitime‘ Kritik staatlicher Politik handelt. Dass es mit der so zu beweisenden „ganz normalen“ Staatlichkeit Israels aber nicht so einfach ist, zeigen nicht nur die antizionistischen Vernichtungsfantasien, sondern auch politische Schiefheilungen wie die ‚deutsche Staatsräson‘ oder konservative wie linke Überidentifikationen mit dem jüdischen Staat.

Ausgehend von der Annahme, dass der Antizionismus als wesentlicher Teil des modernen Antisemitismus – auch schon vor der israelischen Staatsgründung – verstanden werden muss, bemüht sich der Vortrag, das Verhältnis zwischen einer an Emanzipation interessierten materialistischen Staatskritik und den Aporien des zionistischen Projekts zu entwickeln.

Referent*in:
Luise Henckel arbeitet gegenwärtig am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main und promoviert an der Universität Halle zur jüdischen Emanzipation im 19. Jahrhundert. Sie publiziert und hält Vorträge zur frühen kritischen Theorie, materialistischen Staatstheorie und zum (linken) Antisemitismus.

Ort: Wir AG, Martin-Luther-Straße 21, 01099 Dresden
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