20:00
01. Mai
[ Festival ]
Music Match Festival Tag 2
  • Haiyti
    Alphonzo
  • Hip Hop, Rap
  • ab 6,70€
Veranstaltungs Bild
Unter dem Titel “Music for a New Society” setzt sich MusicMatch auch 2021 inhaltlich und künstlerisch mit Themen im Schnittbereich von Musik und Gesellschaft auseinander - auch den voraussichtlich weiterhin geltenden Einschränkungen des Kulturbetriebes zum Trotz. Um wie zuvor auch dieses Jahr Akteur:innen der Musikszene, Expert:innen und Interessierte zum Austausch über Popularmusik einladen zu können, richten wir Konferenz und Festival als eine Hopin-Onlineveranstaltung aus. In mehreren virtuellen Räumen können Talks, Workshops und Vorträge verfolgt und mitgestaltet sowie exklusive Webkonzerte genossen werden.

Alphonzo
Das ist der ruhige Typ mit der rauchigen Stimme. Das ist der Rapper aus Dresden der mit Figub Brazlevic in Berlin abhängt. Das ist der Musiker, der mit seinen Punkbands schon in den abgefucktesten Clubs Europas unterwegs war. Der der was zu erzählen hat und das hat meistens wenig über Rap zu tun. Es geht um viel mehr…das eigene Licht ins Dunkel bringen.

Haiyti
Einmal Star und zurück: Mit ihrem neuen Album startet Haiyti ihr persönliches Comeback. “Influencer” ist eine Rückkehr zu den Wurzeln, düster, hart und angriffslustig. Vor allem aber ist es eine Erinnerung, warum Deutschrap klingt, wie er klingt. Runter von der Straße, das Original ist zurück. 

Es ist so ein typischer Haiyti-Titel: ein scheinbar ausgelutschtes Bild voll plattem Glamour, ein Klischee. In ihrem Kosmos aber bekommen diese Wörte neue Bedeutungsebenen, neue Tiefe. Natürlich meint sie mit “Influencer” ihre Rolle als eine der low-key einflussreichsten Musiker*innen des Landes. Klick dich durch die deutschen Charts und du hörst Haiyti, auch wenn Haiyti nicht draufsteht. Gleichzeitig spielt der Albumtitel mit der Ambivalenz von Ruhm, Reichtum, Reichweite und all dem anderen geilen Scheiß, den angeblich nie jemand haben will. 

Haiyti hat nie verhohlen, dass sie sich als Star sieht; dass die aktuell ihr angedachte Rolle als vom Feuilleton umgarnter Underdog weder ihrem Talent noch der harten Arbeit entspricht, die sie in diese Sache gesteckt hat. Seit ihrem 2016er-Mixtape “City Tarif”, allerspätestens seit ihrem Major-Debüt “Montenegro Zero” galt Haiyti als das nächste Ding. Aus den fetten Fleischtöpfen der Boombranche Deutschrap löffeln trotzdem andere. Ernüchterung aber ist das eine, Weitermachen das andere. Und mit Weitermachen kennt Haiyti sich aus. Sie kennt nichts anderes sie kann nicht anders. Weil sie etwas zu sagen hat. Weil sie wirklich erlebt hat, wovon sie spricht. Und weil sie wie niemand sonst die Zauberkraft besitzt, sich selbst wieder zusammenzukleben aus den Glasscherben der vergangenen Nacht. 

“Influencer” ist ein “Comeback” nach Haiyti-Art. Nur wenige Monate nach ihrem letzten (und bis dahin ziemlich sicher besten) Album “Sui Sui” legt sie nach. Schon wieder. Wie immer. Nur anders diesmal. “Die Wolken ziehen, feiern mein Comeback”, singt sie auf dem gleichnamigen Introsong. Die Rückkehr nämlich ist auch eine Rückkehr zu den Wurzeln. “Influencer” ist ein überraschend düsteres, überraschend hartes, überraschend angriffslustiges Rap-Album. Eh klar, Haiyti bleibt Haiyti bleibt ein Unikat. Die Kontraste von grellem Scheinwerferlicht und finsterster Nacht, wie man sie von dem selbsterklärten “On/Off Model” kennt, finden sich auch auf diesem Album. Es gibt die Zuckerschock-Momente (“Holt mich raus hier”), die Innovationen (Baile-Bashment auf “100.000 Feinde”), die leisen Lieder von verblichener Liebe (“Tokio”), die Bretter für die Trap (“Burr”) und auch eine dieser ganz und gar einzigartigen Balladen, die Haiyti meilenweit abheben von all den Playlist-Lieferandos und Klickkauf-Ganoven da draußen (“Weltzeituhr”). Vor allem aber wird gerappt. Aug’ um Auge, Line um Line. Als hätte sie nie einen Echo gewonnen. Als wäre Hamburg-Langenhorn das Zentrum der Welt. Als würde diese eine Session in diesem verdammten Kellerstudio einfach nie enden.

“Ja, ich wollt zu viel, wäre fast verreckt / Weiß nicht, wo ich war, doch zu lange weg.” Wo Haiyti war, wo sie jemals sein wird – wer weiß das schon? Sicher ist nur: Sie ist zurück. Burr!
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