19:3020:00
09. Nov
( Konzert )
Pragomania Festival
  • Manon Meurt
    Jaguwar
    Market
  • Rock
  • 12,-
Böhmische Blasmusik und Hirschbeutel Blues, hat durchaus seine Reize, aber inzwischen hat auch die junge Generation zwischen Moldau und Elbe sich musikalisch emanzipiert und weiß dabei mit durchaus weltgewandtem Sound zu überzeugen. Drei der spannendsten neuen Bands aus der Region werden im Rahmen der tschechisch-deutschen Kulturtage 2018 ihre Soundwände in der altehrwürdigen scheune Dresden errichten, und zum Schwelgen und Tanzen einladen. Freut euch auf:

Manon meurt
Grandiose Songs mit sanften, wundervollen Vocals, hypnotischen Basslinien, sich steigernden Drums sowie viel Hall und Verzerrer auf den Gitarren sind das Markenzeichen des jungen Quartetts aus Tschechien. Manon Meurt kommen aus Rakovnik westlich von Prag. Inspiriert von der britischen Shoegazer Bewegung der frühen 90er Jahre, deren wichtigste Vertreter sicher Lush, Ride oder Slowdive waren und bis heute sind, fanden sie zu einem eigenen, intensiven Sound. Und Manon Meurt sind eine herausragend gute Liveband mit einer beeindruckenden Bühnenpräsenz. Sie durften bereits mit Bands wie den Raveonettes, LSD and the Search of God und den Genre-Lichtgestalten von My Bloody Valentine die Bühne teilen, deren Frontmann Kevin Shields feststellte, dass sie verdammt laut wären. Dieses Konzert 2013 in Prag war ihr allererstes überhaupt. Ihm folgten mehrere Europatouren, die sie von der Ukraine bis ins UK und von Dänemark bis Kroatien führten. Sie spielten diverseste Festivals wie z.B. Colours of Ostrava, Pohoda Festival, Waves Bratislava, Eurosonic Noorderslag, Reeperbahnfestival, Ment Ljubljana und Waves Wien. Ihre selbstbetitelte 12“, die erstmals 2014 erschien und mittlerweile vom kanadischen Label Obscura neu aufgelegt wurde, erhielt viel Aufmerksamkeit und Lob in der internationalen Music Blogosphäre. Nun steht ihr Debütalbum in den Startlöchern und soll noch 2018 erscheinen, und dieses werden sie nun auch bei ihrem bereits zweiten Gastspiel in der scheune live vorstellen. Freut Euch auf eine der momentan spannendsten Bands unseres Nachbarlandes und ihre umwerfenden Wall of Sound!

JAGUWAR 
Seit 2012 existiert die Band, einst in Dresden beheimatet und gegründet und mittlerweile zu zwei Dritteln in Berlin beheimatet. Jaguwar, das sind das sind Oyèmi und Lemmy Noise an Bass bzw. Gitarre nebst übermenschlichem Pedalboard, und Drummer Chris. Bisher veröffentlichten sie zwei EPs beim US-Label Prospect Records, gaben ungezählte Konzerte in UK, Dänemark, Frankreich, Serbien, Deutschland etc. Sie teilten die Bühnen mit Acts wie We Were Promised Jetpacks, Japandroids oder The Megaphonic Thrift und sorgten stets für pfeifende Ohren und glückliche Gesichter.

2016 schickten sie eine kurze E-Mail mit Musik an Tapete Records und fragten an, ob es eine Möglichkeit gäbe, The Telescopes auf ihrer Tour zu supporten. Bands, die die Telescopes supporten wollen, sind ja schon mal per se interessant, und schon bald liefen im Tapete-Office die beiden Jaguwar-EPs rauf und runter. File under: Wall of Sound, Shoegaze, Noise & Pop. Man tritt Jaguwar nicht zu nahe, wenn man vermutet, dass My Bloody Valentine einen kleinen, aber nicht unwesentlichen Einfluss hatten (und noch haben).

2017 zogen sie sich mit einer beträchtlichen Anzahl von Effektgeräten, Gitarren, Bässen und Verstärkern sowie genügend Kaffee und Zigaretten als Stärkung ins idyllisch im bayerischen Hof gelegene Tritone-Studio zurück und begannen die Aufnahmen zu „Ringthing“. Genretypisch wurde Schicht auf Schicht gelegt und, ebenso genretypisch, musste der ein oder andere Abgabetermin verschoben werden. Aber das Warten hat sich gelohnt: Noch mehr Noise und noch mehr Pop. „Krach & Detail“, wie die Band ihren Sound beschreibt. „Ringthing“ ist ein flirrender, halliger, krachender Monolith von einem Album. Jaguwar kombinieren hier süßen Pop mit Amphetamine-Reptile-mäßigem Noise, dort klingen sie, als hätten The Cure zusammen mit Ride einen Song aufgenommen. Songstrukturen mäandern, man muss bereit sein für das Unerwartete. Dem Trio gelang es so, sich von den Vorbildern zu emanzipieren und etwas Eigenes zu schaffen. Man wird weltweit von ihnen hören. Ihre Stippvisite beim SXSW Festival in Austin Texas im Frühjahr war lediglich ein Anfang! Eine der besten Bands, die Dresden in den letzten Jahren den Rücken gekehrt hat – hier mal wieder live in der Heimat.

Market
Über Market., die Band mit dem ungooglebaren Namen, findet man noch recht wenige Informationen, und dennoch zählen sie zu den heißesten Newcomern der Prager Alternative-Szene. Fragt man die fünf Jungs, ob sie schon mal Begriffe wie „Genre“ oder „musikalische Schublade“ gehört haben, erntet man eher ungläubiges Schulterzucken, oder eben so geistreiche Antworten wie „Ist das was aus der französischen Küche?“ oder „Hat das entfernt was mit Ouzo zu tun?“. Ihre Labelkollegen glauben aber, dass sie es okay finden würden, wenn man sie mit „Garage Disco Jazz Post-Punk Funky Big Beat familienfeindlichem Pop-Scheiß für ängstliche Kids“ kategorisieren würde. Und damit sind sie näher am Puls der Zeit als sie denken, denn stilistische Querverweise tun sich zu Bands wie Tune Yards oder Mount Kimbie auf. Der Prager Underground lebt mehr denn je nicht zuletzt durch Bands wie Market., und nun ist es an der Zeit, dass auch hierzulande Kenntnis davon genommen wird.
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